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Kritik am Deutschlandstipendium

16.Februar 2012
© Maria.P. - Fotolia.com

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Das Stipendiungsprogramm des Bundes, das sogenannte Deutschlandstipendium, soll hoffnungsvollen Leistungsträger der Gesellschaft die Möglichkeit bieten ohne finanzielle Sorgen zum schnellstmöglichen Studienabschluss zu kommen.

Um in das Programm aufgenommen zu werden, bedarf es eines langwierigen Bewerbungsprozederes. Der Bewerber muss deutlich machen, warum gerade er als Hoffnungsträger des deutschen Volkes gelten soll. Da sich Leistung bekanntlich nur anhand der allerbesten Noten ableiten lässt, liegt hier auch der Schwerpunkt der bundesdeutschen Werteskala. Dabei sollte bei Einführung des Programms doch alles anders gemacht werden.

Neben den Noten sollten, wenn es nach der damaligen Bundesministerin Anette Schavan (CDU) ging, auch außeruniversitäres, soziales Engagement zählen. Dieses Engagement lässt sich in der Praxis allerdings nur schwer mit den geforderten Bestnoten vereinbaren. Um den Stoff eines Bachelors in Regelstudienzeit und mit guten Erbgebnissen durchzukauen, bedarf es Disziplin und Fokus. Wer sich da nebenher für das Leid Afrikas, für Straßenkinder in Bolivien, oder Kleber-schnüffelnde Vorstadtkids engagiert, dem bleibt keine Zeit, um im harten Kampf und mit Bestnoten bestehen zu können. 

Dem Büffelmonster, dem fokussierten Streber, der nicht über ein Fitzelchen Sozialkompetenz verfügt (wie soll er auch, denn er muss ja lernen, den ganzen Tag, die ganze Nacht und Bitteschön auch am Wochenende), werden die 300 Euro zusätzlich im Monat somit eher zugeschlagen, als dem beflissenen Aktivist. 

Schuld an dieser Misere ist neben den bedenklichen sozialdarwinistischen Tendenzen des deutschen Bildungssystems auch die Unterbesetzung im universitären Bürokratenapparat. Denn wer will hier schon die jährlich tausend Seiten an Motivationsschreiben und herausragenden Lebensläufen lesen, wenn man doch mit einem Blick aufs Zeugnis deutlich schneller zu einer Entscheidungsfindung kommt?